Lucy Fricke: Töchter

Liebe Uli,

hier im Allgäu sind die Gipfel bereits weiß und die Bäume haben nur noch wenige Blätter. Die Bergsaison ist also erst einmal zu Ende, doch die Büchersaison beginnt! Umso mehr freue ich mich über deine Buchempfehlung und werde „Ciao“ von Johanna Adorján auf alle Fälle bald lesen.

Auch mein Tipp für dich heute ist eine schnelle und ja, eine unterhaltsame Lektüre. Unterhaltsam, auch wenn eines der Themen nicht gerade einen amüsanten Lesegenuss verspricht. Kurzweilig, weil es um einen rasanten Roadtrip durch Deutschland, die Schweiz und Italien geht, der schließlich auf einer griechischen Insel endet.  Aber jetzt erst mal der Reihe nach: Die „Töchter“, um die es in Lucy Frickes Roman geht, sind um die 40 und durch eine lange Freundschaft verbunden. Sie verstehen sich ohne viel zu reden und wissen, dass sie sich zu 100 Prozent aufeinander verlassen können. Diese Freundschaft basiert unter anderem auf einer ähnlichen sozialen Herkunft („…diese Vergangenheit, die uns wortlos verband“) sowie auf der Erfahrung mit mehr oder weniger abwesenden Vätern: „Wir waren die Töchter von Vätern, die erst im Ruhestand die Zeit fanden, mit uns zu reden.“ Da ist Betty, die Ich-Erzählerin, eine erfolglose Schriftstellerin, chaotisch und emotional, die alleine in Berlin lebt, und Martha, die Vernünftigere und Kontrolliertere von beiden, die unbedingt eine Familie gründen möchte. Marthas Vater ist schwer krank und als er den Plan fasst, in der Schweiz durch Sterbehilfe seinem Leben ein Ende zu setzen, bittet er seine Tochter, ihn dorthin zu fahren. Betty wird als Fahrerin engagiert und der Roadtrip kann beginnen: Trotz der Schwere der Thematik ist es ein Vergnügen zu lesen, wie die drei mit einem alten VW Golf aufbrechen. Die Reise verläuft natürlich anders als geplant – das Buch wäre ansonsten schnell zu Ende. Und dass das Reisemotiv immer mit einer Suche nach Antworten und der Entwicklung der Charaktere einhergeht, ist auch nichts Neues. An vielen Stellen könnte man dem Roman vorwerfen, dass er sich verschiedener Klischees bedient: Gerade wie die italienischen Männer oder auch ein deutscher, in Italien lebender Schriftsteller beschrieben werden, lässt einen schon ein bisschen zusammenzucken. Oder haben letztere wirklich immer einen Strohhut auf? Da die Ich-Erzählerin Betty aber immer wieder selbst mit diesen Klischees spielt, und sich unter anderem über die Tatsache lustig macht, dass sie sich ein bisschen wie Thelma und Luise oder Tschick vorkommt, sind auch diese Stellen sehr amüsant:

‚„Was soll das eigentlich werden?“, fragte ich. „Thelma und Luise?“

„Die waren jung, sexy und unterdrückt“, sagte Martha. „Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.“

Tschick?“, probierte ich weiter.

„Das waren Jungs. Wir sind Frauen kurz vor den Wechseljahren. Ich hoffe, das willst du nicht vergleichen.“‘

Weil ich weiß, dass auch wir über die gleichen Dinge und Situationen lachen können, bin ich sicher, dass dir der Roman gefallen wird!

Es grüßt dich herzlich Deine Freundin

Petra

P.S. Dieser Roman ist bereits verfilmt und hier gerade im Kino zu sehen… Mit Schauspielern, die ich sehr gerne mag. Vielleicht sollten wir ihn bei deinem nächsten Deutschlandbesuch zusammen anschauen!

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INFOS ZUM BUCH

TITEL: TÖCHTER
AUTORIN: LUCY FRICKE
VERLAG: ROWOHLT

Erschienen: 20.02.2018

ISBN: 978-3498020071

Umfang: 240 Seiten

Preis: 12,00 Euro

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Dort findest du auch diese Rezension:

Wie viele Bücher in meinem Regal sind eigentlich von Männern, wie viele von Frauen geschrieben? Angeregt durch die Lektüre des Buches FRAUEN LITERATUR von Nicole Seifert fing ich an zu zählen… 

Klicke für die ganze Rezension auf das Buchcover links.

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