Jane Austen: Mansfield Park

Liebe Petra, 

die Autorin Lucy Fricke ist mir dieses Jahr auch sehr positiv aufgefallen, als ich die Anthologie „Klasse und Kampf“ von Maria Barankow und Christian Baron gelesen habe. In den Kurzgeschichten dieses Sammelbandes kommen Autoren und Autorinnen zu Wort, die ursprünglich aus dem Arbeitermilieu kommen, bei denen eine Karriere als Schriftsteller*in nicht automatisch in die Wiege gelegt ist. 

Falls dich das Gendersternchen jetzt wundert. Ich habe, nachdem ich mir Karolin Kebekus‘ „Es kann nur eine geben“ angehört habe, entschieden, dass dieses kleine Sternchen doch eigentlich niemanden schmerzt oder beleidigt, aber ein ganz kleiner Anfang ist, Männer und Frauen in Texten gleichermaßen anzusprechen. Und im Deutschen geht das doch ganz mühelos. Wenn ich dagegen an das Italienische denke, bin ich mal gespannt, wie das dort gelöst werden wird, aber in Italien ist man bei diesem Thema noch nicht ganz angekommen. Es bleibt also spannend.

Um aber wieder auf Lucy Fricke zurückzukommen, auch wenn ich beim Lesen deines Briefs das Gefühl hatte, dass das Buch es vielleicht nicht ganz in die Top Ten deiner Lieblingsbücher geschafft hat, werde ich es unbedingt lesen, denn das Thema interessiert mich sehr. 

Die Autorin, die ich dir heute vorschlagen möchte, ist mit Sicherheit längst und schon lange eine deiner Lieblingsschriftstellerinnen. 

Ich möchte dich dazu einladen, nicht nur in ein anderes Land, sondern in eine andere Zeit zu reisen. Wie ich hast du diese Reise bestimmt in deinen 20ern bereits gemacht, aber manche Reisen sollten unbedingt in einem anderen Lebensabschnitt wiederholt werden. 

Und so nehme ich dich heute mit in Jane Austens England. Wie Hemingway stand auch Jane Austen auf unserer ominösen Leseliste für das Anglistikstudium, aber bei ihr war es für mich Liebe auf den ersten Blick. Erinnerst du dich noch an die sagenhafte BBC-Miniserie von Pride and Prejudice mit Colin Firth? Ob es nun am extrem gut aussehenden Hauptdarsteller oder der wunderbaren Verfilmung lag, ich würde jetzt gerne behaupten, ich weiß es nicht, aber ich muss zugeben, Colin Firth ist einzig und allein dafür verantwortlich, dass ich zum ganz großen Jane-Austen-Fan wurde. Im Anschluss an die Fernsehserie habe ich ihre Bücher in einem Rutsch gelesen und war traurig, dass sie nur sechs Romane geschrieben hat.

Inzwischen ist ein bisschen Zeit verstrichen und die Details sind ein wenig verschwommen, so dass ein Re-Read unbedingt notwendig wurde. 

Die Hörspielverfassung von „Mansfield Park“ habe ich sozusagen genau zum richtigen Zeitpunkt entdeckt. Warum ausgerechnet „Mansfield Park“ wirst du jetzt denken. Und ich stimme dir zu, Fanny Price war für mich auch immer die Heldin Austens, die mich am wenigsten begeistern konnte. Deswegen konnte ich mich an den Inhalt des Buches am wenigsten erinnern. Und was soll ich sagen? Auch nach meiner zweiten Begegnung mit ihr ist mir Fanny im Vergleich zu Elinor und Marianne aus „Sense and Sensibility“, „Emma“ und vor allem meiner Lieblingsheldin Elizabeth Bennet aus „Pride and Prejudice“ noch immer zu brav. Aber die Hörspielfassung des SWR2 ist absolut hörenswert und phantastisch. Das liegt nicht zuletzt an der großartigen Erzählerin Sophie Rois. Ihr Vortrag ist an jeder Stelle von dieser „Austenschen“ Ironie getragen, die bereits die Bücher so lesenswert machen. Falls du gar nicht mehr so genau weißt, um was es in Mansfield Park geht. Fannie, zweites von sechs Kindern einer eher ärmlichen Familie, wächst bei ihrer reichen Verwandtschaft auf. Ihre Tante und drei ihrer Sprösslinge behandeln sie eher von oben herab, nur einer der Brüder, Edmund, ist immer nett zu ihr. In diesen verliebt sie sich natürlich. Es wäre jetzt nicht Jane Austen, wenn nicht noch ein paar Irrungen und Wirrungen das Zueinanderfinden der beiden etwas verzögern würden. Es ist bei Jane Austen ja nicht in erster Linie der Plot, der den Zauber ihrer Bücher ausmacht, sondern die Art, wie sie schreibt, wie sie die Zwänge ihrer Zeit humorvoll und ironisch auf die Schippe nimmt. 

Zum Glück habe ich in meinem Bücherschrank jetzt auch noch „Emma“ und „Pride and Prejudice“ im englischen Original gefunden. Es kann die nächsten Tage also ruhig regnen, ich habe zu lesen.

Für graue, verregnete Regentage (die gibt es bei uns im Veneto auch manchmal) bei einer Tasse Tee und Shortbread ist Jane die perfekte Begleiterin.

Ganz liebe Grüße 

Deine Uli 

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Wenn du Bücher gerne im Original liest, ist diese wunderschöne Ausgabe vielleicht genau die richtige für dich.

Für mich gehören schwarzer Tee und Shortbread einfach zur Lektüre von Jane Austen. Wenn du das auch so siehst, kannst du sie bestellen, wenn du auf die Bilder unten klickst. (Affiliate Links)

INFOS ZUM HÖRSPIEL:
TITEL: MANSFIELD PARK
AUTORIN: Jane Austen
ÜBERSETZUNG: MANFRED ALLIÉ
REGIE: IRIS DRÖGEKAMP
VERLAG: DER HÖRVERLAG

Erschienen: 22.03. 2021

ISBN: 978-3-8445-4172-4

Preis: 20,00 Euro 

Umfang: 4 h 14 min

Hinweis: „Mansfield Park“ wurde mir umsonst als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt.

Falls du dich für ausgewogene Information zum Thema „gendern“ interessierst, ist das neue Buch „Vermintes Gelände“ von Petra Gerster und Christian Nürnberger vielleicht lesenswert für dich. Diese und noch viele weitere Tipps findest du in unseren Kurzrezensionen.

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