Erleben: Vicenza – Begegnungen mit Goethe und Palladio

Mit keinem anderen Künstler ist Vicenza so unmittelbar verbunden wie mit Andrea Palladio. Der bedeutendste Architekt der Renaissance in Norditalien ist zwar in Vicenzas Nachbarstadt Padua geboren (*1508), den größten Teil seiner bedeutenden Bauwerke finden wir aber Vicenza. Die meisten Künstler der Renaissance sind dafür bekannt, dass sie in vielen Bereichen der Kunst tätig waren. Damals wurde auch der Begriff des Genio Universale geprägt, man denke nur an den Maler, Bildhauer, Wissenschaftler und Ingenieur Leonardo Da Vinci.

Und so ist es fast schon eine Besonderheit, dass Andrea Palladio sich von Anfang an auf ein Feld spezialisiert hatte, auf die Architektur. Sein klassizistisch geprägter Stil ist von der römischen Antike beeinflusst und wird als Palladianismus bezeichnet.

La Rotonda

Sein bekanntestes Werk, die Villa „La Rotonda“, befindet sich vor den Toren Vicenzas, genau genommen am südöstlichen Stadtrand. Seit 1994 zählt sie gemeinsam mit der Stadt Vicenza und 23 weiteren Villen, die Palladio zugeschrieben werden, als UNESCO-Weltkulturerbe.

Äußerst beeindruckt schrieb Goethe in seiner Italienischen Reise folgendes:

„Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wöhnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer auch; aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie würden sie kaum hinreichen. Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend von allen Seiten sich auf das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge der Umherwandelnden bewegt, und die Absicht des Besitzers ist vollkommen erreicht, der ein großes Fideikommißgut und zugleich ein sinnliches Denkmal seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie erhalten wollte.“

(Goethe: Italienische Reise)

Teatro Olimpico

Die Arbeiten am Teatro Olimpico, dem ersten freistehenden autonomen Theatergebäude, das seit dem Ende der Antike in Europa erbaut wurde, begannen Anfang 1580. Besonders beeindruckt der gemalte Himmel an der Decke des Theaters, eine Anspielung darauf, dass in der Antike Theaterstücke unter freiem Himmel aufgeführt wurden.

Auch zum Teatro Olimpico äußerte sich Goethe begeistert.

„Vor einigen Stunden bin ich hier angekommen, habe schon die Stadt durchlaufen, das Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen. Man hat ein sehr artiges Büchelchen mit Kupfern zur Bequemlichkeit der Fremden herausgegeben mit einem kunstverständigen Texte. Wenn man nun diese Werke gegenwärtig sieht, so erkennt man erst den großen Wert derselben; denn sie sollen ja durch ihre wirkliche Größe und Körperlichkeit das Auge füllen und durch die schöne Harmonie ihrer Dimensionen nicht nur in abstrakten Aufrissen, sondern mit dem ganzen perspektivischen Vordringen und Zurückweichen den Geist befriedigen; und so sag‘ ich vom Palladio: er ist ein recht innerlich und von innen heraus großer Mensch gewesen.

(Goethe: Italienische Reise)

Eingangsbereich zum Teatro Olimpico
Himmlische Deckenbemalung
Bühne des Teatro Olimpico

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