Brief: Amy McCulloch: Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod

Liebe Petra, 

wie startet man eigentlich am besten eine Petition? Spontan hätte ich so ein, zwei Anliegen, die wirklich ein solches Ansuchen erfordern würden. Zum Beispiel Zigarettenkippen. Jetzt mal ehrlich. Ob jemand anderer raucht, ist mir relativ egal, solang die Person einen gewissen Abstand zu mir hält und nicht meine Tochter ist. Aber kann man am Ende der Zigarette angelangt nicht einfach die Kippe einpacken und ordentlich entsorgen. Im Allgemeinen haben wir alle es doch längst kapiert, dass wir unseren Müll nicht einfach auf die Straße werfen oder am Strand liegen lassen. So ein ausgerauchter Zigarettenstummel mag zwar klein sein, mein Stranderlebnis wird aber dadurch nicht gerade verbessert.  

Auch schlimm Wanderer, die auf schönsten Wanderwegen vor traumhaften Kulissen dringend eine rauchen müssen. Wie gesagt, das Rauchen an sich ist nicht mein größtes Problem, auch wenn es ja der Idee vom Wandern ein wenig widerspricht: In der Natur, an der frischen Luft, für die Gesundheit. Aber jedem das seine. Doch muss man seinen Mitmenschen dann ein Andenken hinterlassen? Der Zigarettenstummel als DNA-Nachweis, dass man auch wirklich da war? 

Und wenn wir schon in den Bergen sind. Diese Unsitte es sich AM Gipfelkreuz gemütlich zu machen, so dass andere Wandernde dieses nur noch umrahmt von Brotzeit futternden, in neon-farbiger Funktionskleidung gehüllten Gipfelstürmern und Bergkraxlerinnen bewundern können. Sollten wir da so eine Art Petition für Einhaltung einer Berg-Netiquette einführen? Wobei es sollte doch selbstverständlich sein, dass man sich nicht häuslich direkt unter dem Gipfelkreuz niederlässt, sondern in gebührendem Abstand daneben. Da hat man dann doch eh die viel bessere Sicht AUF das Kreuz und landet nicht ungewollt in fremder Menschen Fotos.

Beide erwähnten Probleme hat die Heldin des Krimis, den ich dir heute vorstellen möchte, wohl eher nicht. „Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod“ von Amy McCulloch handelt nämlich von der Erklimmung des Manaslu, des achthöchsten Bergs der Welt. Wie ich gegoogelt habe, gibt es dort oben erst mal gar kein Gipfelkreuz, das man blockieren könnte. Außerdem ist die Anzahl der Mitwandernden doch eher überschaubar, da man doch immerhin auf 8163 m wandern müsste. Also, liebe Gipfelkreuzsitzer und -sitzerinnen, macht es euch da oben gemütlich, wo und wie ihr wollt. In meinem Foto werdet ihr dort nicht landen. Meine Ambitionen, einen 8000er zu besteigen, sind minimal bis nicht vorhanden.

Nun aber zum Krimi:

Cecily, die Heldin des Romans, ist Journalistin und schreibt gelegentlich für ein Bergsteigermagazin. Die Chance auf ein Exklusiv-Interview mit dem charismatischen Bergsteiger Charles McVeigh soll ihr endlich helfen, ihre finanzielle Lage in den Griff zu bekommen. Der Haken: Sie bekommt das Interview nur, wenn sie sich Charles‘ Expedition anschließt und mit ihm den Gipfel des Manaslu erklimmt. Cecily ist jetzt kein völliger Anfänger, was Bergsteigen betrifft, einen Berg wie den Manaslu hat sie allerdings noch nie bestiegen. Ganz im Gegenteil zur Autorin des Buchs, die den Manaslu als jüngste Kanadierin bestiegen hat. Und so kann man davon ausgehen, dass die Details im Buch, die sich auf die allgemeine Situation in den Camps am Berg, die technischen und menschlichen Details der Bergbesteigung beziehen, zuverlässig sind. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Einzelheiten dem einen oder anderen Leser vielleicht etwas zu tief gehen. Mich hat es jedoch sehr fasziniert, mir vorzustellen, wie es sich dort oben auf den höchsten Bergen wohl anfühlen mag und was einen wohl antreibt, diese zu besteigen und sich in tödliche Gefahr zu begeben. Denn sind wir einmal ehrlich. Dem Tod ist man in solchen Höhen schon immer sehr nah. Was, wenn außer den Gefahren, die der Berg selbst mit sich bringt, auch noch ein Mörder auf dem Berg unterwegs ist. Diese Frage stellt sich Cecily sehr bald. Denn auf dem Weg nach oben sterben einige ihrer Weggefährten. Wird sie die Nächste sein? Was für ein Motiv hat der Killer überhaupt? Amy McCulloch hat einen wirklich spannenden Bergsteiger-Krimi geschrieben. Vielleicht an manchen Stellen ein wenig zu „langsam“ durch die vielen Details, so dass mir nie der Atem stockte vor Spannung. Auch hatte ich ziemlich schnell eine Vermutung, wer der Täter ist. Aber gerade die Hörbuchfassung vom Osterwold Audio/HörbucHHamburg Verlag machte viel von dieser „Langsamkeit“ wett, was vor allem dem Vortrag der hervorragenden Sprecherin Britta Steffenhagen zu verdanken ist. 

Ein spannender Krimi, bei dem man dennoch keine Sorge haben muss, nachts nicht gut einschlafen zu können.

Die Heldin hat im Übrigen den Gipfel, wen wundert es, ganz allein für sich. Wir, die wir in niedrigeren Höhen wandern, haben dieses Glück wohl eher selten. 

Vielleicht sollten wir also, bis wir das mit der Petition ergründet haben, den Begriff Gipfelkreuzsitzer/Gipfelkreuzsitzerin als neues Schimpfwort etablieren und so ein wenig Gipfelkreuzsitz-Scham verbreiten? 

Es grüßt dich herzlich, ganz allein und ungestört auf und von ihrer Dachterrasse,

Deine Uli

Das Hörbuch kannst du dir hier* besorgen. (*Affiliate Link)

INFOS ZUM HÖRBUCH:
TITEL: DER AUFSTIEG – IN EISIGER HÖHE WARTET DER TOD
AUTORIN: AMY MCCULLOCH

ÜBERSETZUNG: Leena Flegel

SPRECHERIN: Britta Steffenhagen
VERLAG: HörbucHHamburg HHV GmbH

Erschienen: 28. Juli 2022

ASIN:  B0B5VGP46J

Preis: 12,95 Euro (Download, gekürzte Fassung), 22,95 Euro (Download, ungekürzte Fassung), 17,00 Euro (MP3-CD, gekürzte Fassung)

Umfang: 609 Minuten

Hinweis: „Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod“ wurde mir umsonst als Rezensionsexemplar von HörbucHHamburg und netgalley.de zur Verfügung gestellt.

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